Hechte-faul-und-draufgaengerischViele Angler haben Angst, einen Hecht anzufassen, darum soll Thema dieses Artikels sein, wie man Verletzungen an Hechten und an seinen eigenen Fingern vermeiden kann.

Die meisten Süßwasserfische sehen eigentlich recht harmlos aus. Beim Hecht ist das jedoch anders. Als ausgesprochener Raubfisch hat er ein großes Maul und viele scharfe Zähne – er wirkt auf so manchen
Angler recht gefährlich.

Ob ein Hecht dem Angler nun wirklich gefährlich werden kann, hängt davon ab, wie vorsichtig man ihn behandelt. Wenn der Angler behutsam mit dem Hecht umgeht, vermeidet er dadurch Verletzungen am Fisch und an sich selbst.

Trotz seiner Größe und seines zähen Aussehens ist der Hecht einer der empfindlichsten Süßwasserfische. Deshalb ist es wichtig, dass untermäßige Fische unbedingt unverletzt zurückgesetzt werden.

Doch leider kommt es nur allzu oft vor, dass zurückgesetzte Hechte wenige Tage später tot aufgefunden werden.

Da sitzt man nun am Ufer, hat die Ruten in Reichweite und wartet auf den ersten Biss. Ganz gleich, welchen Bissanzeiger man verwendet, er muss zuverlässig sein und der

Anschlag muss gesetzt werden, sobald der Hecht den Köder genommen hat. Wenn der Drill erst einmal begonnen hat, bleibt keine Zeit mehr, sich über die richtige Versorgung des Fangs Gedanken zu machen. Deshalb müssen sämtliche Vorbereitungen bereits vor dem Auswerfen des Köders abgeschlossen sein.

 

 Als erstes taucht man einen großen Unterfangkescher direkt vor dem eigenen Standplatz - oder einem ausgewählten Ort, an dem man die Fische landen will – ins Wasser. Wichtig ist, dass das Netz engmaschig ist und keine Knoten aufweist.

Als nächstes sucht man sich in direkter Nähe zum Landeplatze eine grasbewachsene Stelle mit weichem Untergrund aus. Wenn man kein geeignetes Plätzchen findet, sollte man eine Karpfenlösematte, einen Karpfensack oder ähnliches an einer geeigneten Stelle auf dem Boden auslegen.

Wie wichtig eine gute Arbeitsfläche ist, merkt man, wenn man z. B. vom Boot aus oder an einem sehr schwierigen Ufer angelt, wie etwa von der Betonmauer einer Talsperre. Ein harter Boden kann schwere Abschürfungen, den Verlust von Schuppen und – schlimmstenfalls – eine Art von Gehirnerschütterung beim Hecht bewirken.
Wenn sich der Hecht am Ufer wehrt und mit dem Kopf auf einen harten Untergrund schlägt, verringern sich seine Überlebenschancen erheblich.

Gleich neben der Arbeitsfläche hält man die anderen Gerätschaften bereit: Einen Arbeitshandschuh aus Gummi, eine lange Aterienklemme eine Waage und einen Wiegesack.

Der Drill ist gut verlaufen und der Hecht befindet sich im Kescher. Als erstes muss nun das Stahlvorfach am
Karabinerwirbel ausgehängt werden, sofern man einen solchen verwendet hat, um die Hauptschnur mit dem
Stahlvorfach zu verbinden. Auf diese Weise kann man nun die Rute aus der Hand legen und beide Hände zum Halten des Keschers benutzen. Dann begibt man sich mit dem Kescher zur Arbeitsfläche.

Nach dem Keschern

Den Kescher hält man direkt über dem Hecht fest, damit sich der Rahmen nicht zu sehr verbiegt. Dann lässt man den Kescher auf die Arbeitsfläche hinab und kniet sich neben dem Hecht auf den Boden.

Falls er sich wehrt, muss man ihn sanft festhalten. Manchmal beruhig sich der Hecht, wenn man ihm seine Augen mit einem feuchten Tuch bedeckt.

Um den Haken lösen zu können, muss man Zugang zum Hechtmaul bekommen. Hier heißt es nun aufpassen. Der Fisch greift zwar den Angler nicht an, hat aber doch einige scharfe Zähne im Maul.
Wenn Anglerhand und Hechtzähne sich zu nahe kommen, gibt es mit Sicherheit blutige Finger. Das kann man jedoch vermeiden, wenn man vorsichtig und richtig zu Werke geht.

Wichtig ist, dass man niemals mit den Fingern von vorne in das Hechtmaul greift, dafür hat man schließlich die Aterienklemme!!

hechtmaul-oeffnenAls Anfänger zieht man sich nun den Gummihandschuh (säurefester Arbeitshandschuh aus dem Baumarkt) über und steckt Zeige- und Mittelfinger in den V-förmigen Einschnitt, den die beiden Kiemendeckel direkt am Unterkiefer bilden (siehe Bild rechts).

hecht-haken-loesenWenn man nun sanft den Kopf des Hechtes anhebt (Bild links), öffnet er das Maul von ganz alleine.

Erfahrene Hechtangler benötigen für diese Aktion keinen Handschuh. Normalerweise kommen die Finger des Anglers dabei nicht mit den Zähnen in Berührung, da sie auf der Zunge des Hechtes zum liegen kommen.

Nun kann man den Haken mit der Aterienklemme lösen. Falls der Hecht zu springen versucht – und damit muss man immer rechnen wenn er die Muskeln anspannt – nimmt man die Finger wieder aus dem Kiemenschlitz und drückt den Hecht sanft zu Boden. Je behutsamer man ihn hält, desto weniger wehrt er sich.

Wer mit 2 Drillingen angelt (z. B. an einem Köderfischsystem) braucht Hilfe. Man bittet dazu einen anderen Angler, das Vorfach festzuhalten und entfernt den oberen Drilling mit einer langen Aterienklemme. Danach kümmert man sich um den zweiten Drilling, wobei man darauf achten muss, dass sich der erste nicht wieder festsetzt.

 

Tief im Rachen sitzende Drillinge (und auch Einzelhaken) lassen sich übrigens am einfachsten von hinten durch die Kiemen lösen!
Dafür benötigt man aber auch die Hilfe eines zweiten Anglers, der den Kiemendeckel öffnet und festhält.

haken-durch-kiemen-loesenNun führt man die Aterienklemme vorsichtig zwischen den Kiemenbögen hindurch, fasst einen der Hakenbögen mit der Aterienklemme und zieht zunächst den unteren und dann den oberen Drilling, (samt Vorfach) entgegen der Richtung der Hakenspitzen, nach hinten durch den Kiemendeckel heraus.

Wenn man dabei vorsichtig zu Werke geht und darauf achtet die feinen Kiemenplättchen nicht zu verletzen, vermindert man auf diese Weise die Gefahr, mit einer oder mehreren Hakenspitzen erneut hängen zu bleiben, erheblich. Auch das Verletzungsrisiko für den Fisch wird deutlich verkleinert, da der ganze Prozess erheblich verkürzt wird, so dass der Fisch schnell wieder ins Wasser zurückgesetzt werden kann.

Ist der Fisch maßig und soll dem Gewässer entnommen werden, so ist er VOR dem Lösen des Hakens durch einen kräftigen Schlag auf das Nachhirn zu betäuben und anschließend waidgerecht – das heißt durch einen genauen Herzstich oder einen Kiemenbogenschnitt – zu töten.

 

Nach dem Lösen der Haken

Sobald der Haken gelöst ist, kann man den Hecht in einem Karpfensack wiegen.

 

Untermaßige Hechte oder Hechte, die während der Schonzeit gebissen haben sind nach dem Wiegen und Vermessen sofort wieder schonend zurückzusetzen.

hecht-praesentierenEinen großen Hecht mit den Händen zu halten, ist für einen unerfahrenen Angler manchmal noch etwas schwierig. Man stützt den Fisch mit einer Hand am Kopf ab und mit der anderen Hand direkt vor der Afterflosse (siehe Grafik rechts). Den Hecht darf man niemals im Stehen halten. Wenn man ihn aus dieser Höhe fallen lässt, trägt der Fisch mit Sicherheit schwere Verletzungen davon.

Um den Hecht z. B. für die Kamera zu halten, muss man auf jeden Fall in die Knie gehen. Wehrt er sich, drück man ihn sich sanft aber bestimmt gegen die Brust. Sollte er zu aktiv sein, sollte man auf das Foto verzichten und ihn schnellstens wieder ins Wasser zurücksetzen.

Durch eine zu hohe Aktivität in Verbindung mit den Atemschwierigkeiten an der Luft erhöht sich der Herzschlag des Fisches dramatisch und kann unter Umständen zu einem Herzstillstand führen.

hecht-zuruecksetzenEinen Hecht zurückzusetzen ist keine schwierige Sache. Dabei erweist sich ein Wiegesack als nützlich, um den Fisch wieder zur Uferkante zu tragen. Wenn man den Fisch gerade und parallel zum Wasser hält, erholt er sich schnell und schwimmt davon.
Falls der Fisch erschöpft ist, stützt man ihn leicht am Bauch ab, bis er wieder bei Kräften ist.

Das Abhaken gestaltet sich immer leichter, wenn man zu zweit ist, gerade beim Umgang mit Stahlvorfächern.
Der Fisch sollte nie länger als fünf Minuten am Ufer bleiben.
Kleinere Hechte müssen noch schneller wieder ihrem Element übergeben werden.

 

 

 

 

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